UA Ruhr sieht Lateinamerika als starken und verlässlichen Partner im 21. Jahrhundert, sagt Rektorin der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Barbara Albert

Warum hat sich die Universitätsallianz Ruhr dazu entschlossen, ein Verbindungsbüro in São Paulo mit dem Fokus auf Lateinamerika wiederzueröffnen? Wie kann das Büro zur Stärkung der wissenschaftlichen und akademischen Zusammenarbeit mit der Region beitragen?
Die UA Ruhr hat schon jetzt viele Verknüpfungen und Zusammenarbeiten mit Universitäten und weiteren Partnern in Lateinamerika, und möchte diese jetzt institutionalisiert unterstützen und ausweiten. Wir sind sehr an gemeinsamer Forschung, an Studierendenaustausch und an wissenschaftlicher Mobilität interessiert. „Science Diplomacy“ und „Stärkung globaler Demokratie“ sind für uns weitere wichtige Anliegen mit globaler Bedeutung.
Das Verbindungsbüro kann mit seiner lokalen Präsenz in Sao Paulo sehr dazu beitragen, Kontakte zwischen Personen und Institutionen herzustellen und zu vertiefen, beispielsweise durch individuelle Beratungsgespräche, Informationen über Förderformate und Vorstellungen der UA Ruhr-Universitäten in Lateinamerika. Ebenso kann es lateinamerikanische Institutionen an den drei deutschen Partneruniversitäten bekanntmachen und dadurch den Austausch befördern.
Wichtig ist für uns insbesondere die Etablierung von Beziehungen mit ganz Lateinamerika einschließlich der Karibik, wobei das Verbindungsbüro eine ideale Ausgangsposition darstellt.
Was sind die Stärken der Universitäten der Universitätsallianz Ruhr? Was halten Sie für besonders attraktiv für lateinamerikanische Studierende und Forschende?
Die Universitätsallianz Ruhr bietet ein spannendes Profil mit Spitzenforschung und einer Vielfalt von Studiengängen in einer lebendigen, wirtschaftsstarken Region Deutschlands. Wir stehen für wissenschaftliche Leistung in allen Fachdisziplinen von Anglistik bis Medizin, und für ein besonderes Bekenntnis zu Vielfalt, Nachhaltigkeit und Bildungsgerechtigkeit. Die drei Universitäten, die die Universitätsallianz Ruhr tragen, zählen zu den größten und forschungsstärksten Deutschlands mit mehr als 100.000 Studierenden.
Die UA Ruhr liegt im Zentrum von Europa und verfügt über zahlreiche nationale und internationale Kontakte. Damit stellt sie in jeder Hinsicht eine ideale Partnerin für lateinamerikanische Universitäten dar. Ebenso ist das Ruhrgebiet eines der wirtschaftlichen und industriellen Kraftzentren in Deutschland, was zu zahlreichen Möglichkeiten für anwendungsorientierte Wissenschaft und Technologietransfer führt.
Welche Erwartungen haben Sie in Bezug auf das Engagement von Forschenden, Lehrenden und Studierenden aus Deutschland und Lateinamerika bei den vom UA Ruhr-Büro geförderten Aktivitäten, sowohl im Hinblick auf Mobilität als auch auf gemeinsame Projekte?
Bei uns ist das Interesse riesig, das merke ich schon jetzt an den vielen Reaktionen auf die Eröffnung. Ich hoffe sehr, dass unser Besuch in Sao Paulo zur Eröffnung des Verbindungsbüros auch die Partner in Brasilien und allen anderen Ländern Lateinamerikas auf uns aufmerksam macht, so dass wir unser Netzwerk, in dem wir gemeinsam Verantwortung übernehmen, stärken und erweitern können. Wir freuen uns besonders darauf, die internationale Mobilität durch den bilateralen Austausch in der Zukunft auf allen Ebenen zu verstärken.
Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen und Chancen für eine Vertiefung des akademischen Austauschs zwischen der UA Ruhr und lateinamerikanischen Ländern in den kommenden Jahren?
Die Chancen liegen auf der Hand. Wir erweitern die Universitätsallianz Ruhr auf starke internationale akademische Partner und vergrößern so unseren Spielraum, große globale Herausforderungen, beispielsweise den Klimawandel und die Bedrohung demokratischer Systeme, gemeinsam durch wissenschaftliche Arbeit und persönliche Kontakte zu bekämpfen. Herausforderungen sind budgetärer Art, aber dieses Problem begleitet die Wissenschaft wohl auf beiden Seiten des Atlantiks. Wir sind allerdings überzeugt davon, dass dies internationale Kooperationen nicht beeinträchtigen darf und wird. Aus diesem Grund haben wir uns für die Eröffnung des Verbindungsbüros entschieden und auch das erforderliche Budget dafür bereitgestellt. Eines unserer Ziele ist natürlich auch die Einwerbung von Drittmitteln für gemeinsame Forschungsvorhaben.
Wie beurteilen Sie die Rolle der Universitätsallianz Ruhr und ihres Büros im DWIH São Paulo bei der Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen wie Nachhaltigkeit, digitalem Wandel, sozialer Inklusion und Wissenschaftsfreiheit im Dialog mit lateinamerikanischen Partnern?
Das sind alles für uns sehr wichtige Aspekte. Gemeinsam wird es uns leichter fallen, solche globalen Herausforderungen anzugehen. Dabei sehen wir Lateinamerika als starken und verlässlichen Partner im 21. Jahrhundert.
Welche Rolle spielen Innovation und Technologietransfer in den Plänen der Universitätsallianz Ruhr in Lateinamerika?
Innovation, Co-Creation und Technologietransfer stellen Schwerpunkte der Universitätsallianz Ruhr dar. Dies gelingt auch durch enge Kontakte zur Wirtschaft, wie wir sie nachdrücklich unterstützen und pflegen. Wir würden uns sehr freuen, wenn dies in der Zukunft verstärkt mit Partnern aus Lateinamerika geschehen würde. Auch hier sehen wir eine wichtige Rolle der Verbindungsbüros, um Kontakte auf allen Ebenen herzustellen.

